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Fitnessrausch

STADTRAT IM FITNESSRAUSCH

Inspiriert durch die Werbung einer örtlichen Muckibude entschloss sich der Stadtrat jüngst zu einem kollektiven Sportprogramm, um sich für den anstehenden Kommunalwahlkampf zu rüsten. „Mehr Fitness, mehr Muskeln, weniger Gewicht“ lautete das Motto, weshalb die Fraktionsvorsitzenden umgehend die Teilnahme verweigerten: „Wir sind politische Schwergewichte, Abnehmen wird unserer Bedeutung nicht gerecht.“ Folglich traten nur die Hinterbänkler zum Training an.

Um Kosten zu sparen hatte die Kämmerei den günstigsten Anbieter ermittelt und den Zuschlag an „Hakan‘s Güm“ erteilt, dessen Studio sich jedoch als reine Kampfsport-Arena erwies, weshalb alsbald die ersten Opfer zu beklagen waren. Gleich beim Einzug des Stadtrates verwickelte Karl-Heinz Delaveaux den Eigentümer in eine Diskussion über die Sauberkeit des Studios. Dem Vernehmen nach befindet sich Delaveaux immer auf der Intensivstation des Marienwörth, aber bereits auf dem Weg der Besserung.

Mangels geeigneter Trainingsgeräte gingen die Ratsmitglieder danach zum Warmwerden unter fachkundiger Anleitung des Betreibers mit bloßen Fäusten aufeinander los. Eine Disziplin, die überraschenderweise von Herrmann Bläsius dominiert wurde, der zu seiner Entschuldigung ausführte: „Ich habe umfassende Vorkenntnisse, denn ich war Lehrer am Röka.“ In den Kampfpausen wurde Shisha geraucht und das ein oder andere leistungssteigernde Getränk konsumiert. Besonders gefiel den Ratsmitgliedern ein Energy-Drink mit dem regional klingenden Namen „Anaboli-KH“.

Währenddessen kramte der Trainer aus dem Keller ein paar rostige Samurai-Schwerter hervor, die vor allem von den Frauen begeistert eingesetzt wurden. Etwa ein Dutzend kleingehackte Club-Sessel aus der Fitness-Lounge wird die Stadt gesondert zahlen müssen. Beim Zweikampf mit dem Nunchaku – auch Würgeeisen genannt – sollen etliche Ratsmitglieder lange schwelende persönliche Rivalitäten endlich einmal geklärt haben.

Die abschließende Bewertung der Veranstaltung fiel daher positiv aus: „Im Vergleich zu einer Stadtratssitzung der reinste Urlaub.“ Besonders begeistert war Ratsmitglied Ensminger-Busse, die zwischenzeitlich ihre Kampf-Fraktion verlassen und es als Einzelkämpferin gewagt hatte, den Studiobetreiber herauszufordern. Auch wenn beide Augen vorübergehend mit Veilchen garniert sind, zeigte sie sich trotz gebrochenen Unterkiefers von Glückshormonen durchflutet: „Nun fühle ich mich endlich wertgeschätzt.“

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