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Kreuznachtillon

Kunst am Bau

VÖLLIG UNBEKANNTES KUNSTWERK AN DER FEUERWEHRWACHE NORD ENTDECKT

Die Sonne brachte es an den Tag! So könnte man umschreiben, was sich gestern am Ende der Martinsbergtrasse ereignete. Eine Gruppe Wanderer war dort von Winzenheim kommend in Richtung Innenstadt unterwegs. Die Sonne brannte, die Wanderer hatten ihre Wasservorräte bereits aufgebraucht. Einige wanderten schon im Delirium, als sie plötzlich eine riesige Eistüte entdeckten.

„Auf einmal stand sie da, meterhoch, wie eine Fata Morgana. Wir konnten nicht mehr anders“, berichtet einer, der dabei gewesen war. Steffen Becker, der Wehrleiter des Löschbezirks Nord entdeckte die Wanderer, als sie sich mit heraushängenden Zungen vor einem metallenen Objekt am Eingang zur Feuerwache prügelten. „Ich verfrachtete die Gruppe dann sofort in den Mannschaftswagen und fuhr sie mit Blaulicht zur Eisdiele Panciera“, berichtet Becker. „Dabei nutzte ich die Gelegenheit, um den Inhaber auch gleich mal auf seine Werbung anzusprechen. Diese Eistüte steht jetzt seit Jahren da rum und versperrt uns die Sicht. Ich wollte ihn fragen, ob er das Ding nicht einfach jemand anders in den Weg stellen kann, am besten dem Löschzug Süd.“

Luca Panciera wiederum zeigt sich überrascht von dem Ansinnen. „Ich frage mich zwar auch seit Jahren, was die Eistüte vor der Feuerwehr soll. Aber ich habe definitiv nichts damit zu tun.“ Seitdem nimmt das Rätselraten kein Ende. Alle Eisdielenbetreiber der Stadt haben mittlerweile eidesstattlich versichert, für die Eistüte nicht verantwortlich zu sein. Die Italian Claims Conference, zuständig für die Durchsetzung des alleinigen Rechts der Italiener auf Eisherstellung weltweit, distanziert sich ebenfalls. Das Modell erinnere zu sehr an das Schoko-Erdbeer-Vanille-Eis der Nachkriegszeit. Es entspreche nicht den Anforderungen an moderne Eiskreationenen.

Armin Göckel, der übliche Verdächtige für ausgefallene Werbeaktionen winkt ebenfalls ab. „Ich dachte durchaus schonmal daran, eine überdimensionale Brille vor das Stadthaus zu stellen, damit die den Durchblick bekommen. Eine Eistüte hätte ich persönlich eher vor dem Casinogebäude platziert, um das frostige Klima im Stadtrat zu symbolisieren. Am Feuerwehrhaus macht das für mich keinen Sinn.“

Bei der Verwaltung beruft man sich auf eine Auskunftssperre „von ganz oben“. Es wird gemunkelt, die Verantwortlichen befürchteten Rücktritts- und Regressforderungen wenn herauskommt, dass die Eistüte mit öffentlichen Geldern finanziert wurde.Unterdessen ärgert man sich beim Löschzug Nord weiter über die Eistüte vor der Einsatzzentrale. Steffen Becker tüftelt nun an einem ganz abgefeimten Plan: „Wir tun jetzt so, als sei das Kunst. Zuerst wollten wie das Ding als Frühwerk eines Kreuznacher Künstlers deklarieren. Brusius, Leske und Meyer-Grönhof haben aber bereits mit Unterlassungsklagen gedroht. Darum werden wir künftig nur von einem völlig unbekannten Kunstwerk reden„, deutet er an. „Hauptsache irgendwer klaut es und wir sind das Problem los.“

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