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Kreuznachtillon

Nahephilharmonie

KREUZNACHER BAUSYMBOLPOLITIK

Was hat die Republik gelacht, als die Hamburger ein Konzerthaus für rund 100 Mio. planten und am Schluss knapp 800 Mio. dafür hinblättern mussten. Einer jedoch war von Anfang an neidisch, nämlich Stadtkämmerer Wolfgang Heinrich: „Achtfach so teuer – das muss erst mal geschultert werden“, bemerkte er anerkennend schon anlässlich der Eröffnung der Elbphilharmonie. Man munkelt, dass er seither davon träumt, mit einem ähnlichen finanziellen Desaster seine haushälterischen Fähigkeiten zu beweisen.

Für Oberbürgermeisterin Dr. Kaster-Meurer hingegen sind Cent und Euro keine Parameter politischer Größe. Ihr imponiert eher die Zeitlosigkeit von Bauprojekten wie dem Großflughafen BER. Mangels koalitionärer Zwänge haben sich die beiden Stadtvorstände darum nun zusammengetan, um sich am Casino-Gebäude völlig befreit zu verwirklichen. Die Sanierungskosten wurden soeben von geplanten 700.000 über zwischenzeitliche 1,6 Mio. auf wenigstens 2,5 Mio. hinaufgeschraubt, was den Kämmerer freut: „3,5fache Kosten haben wir schon. Das Ziel liegt bei Ausgaben von wenigstens 7 Mio., dann haben wir Hamburg überflügelt.“

Die OB schwärmt derweil von dem ins Ungewisse verschobenen Fertigstellungstermin: „Wenn wir irgendwann fast fertig sind, werde ich den Bau komplett abreißen lassen. Es muss auf jeden Fall länger dauern als in Berlin.“

Beide haben sich zudem als letzte noch handlungsfähige Stadtpolitiker auf einen neuen Namen für das Gebäude geeinigt, der ihre Ambitionen mehr betonen soll. Sowohl „Höhenflugsaal“ als auch „Bruchlandungspiste“ wurden bereits verworfen. Statt dessen wird das Casino-Gebäude wegen der unübertroffenen Dissonanzen im Sitzungssaal umbenannt in „Nahephilharmonie“.

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