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HOHE ADAC-AUSZEICHNUNG NACH DÖRREBACH VERLIEHEN

Das goldene Lenkrad mit Eichenlaub am Bande erhielt dieser Tage Franca M. aus Dörrebach. Ihre Leistung: Binnen einer Woche steuerte sie ihr Auto unfallfrei durch drei italienische Großstädte und kehrte lebend zurück.

Kritik an der militärischen Symbolik des Preises wies der ADAC-Präsident persönlich zurück: „Die Parallelen sind gewollt, denn Stadtverkehr in Italien ist purer Nahkampf.“ Dem stimmt die noch immer von Adrenalin durchströmte Preisträgerin zu: „Baulich entsprechen die meisten Straßen einer ausgefahrenen Seitengasse in Dörrebach. Aber bereits ein einspuriges Sträßchen wird in Mailand zweispurig befahren. In Rom kommen dann diverse Vespas dazu und in Neapel wird man rechts und links von Autos und Vespas überholt. Sobald eine Straße mehr als einspurig ist, gelten alle Verkehrsregeln ohnehin als aufgehoben.“

Selbst erfahrene ADAC-Testfahrer zittern bei dem Gedanken, dass Franca M. sich allein auf ihr Navi verlassen hat. „Im Kreisel einfach die 2. Ausfahrt zu nehmen ist eigentlich unmöglich“, erläutert ein mehrfacher Gewinner der Rallye Paris-Dakar. „Sobald man in Italien in einen Kreisel einfährt, sind plötzlich so viele Autos um einen herum, dass man nie wieder herausfindet. Die einzige Chance ist, so lange im Kreis zu fahren, bis der Tank leer ist. Dann werden sie plötzlich hilfsbereit und schieben einen raus. Unfassbar, dass diese Frau da einfach durchgefahren ist.“

Damit stellt sich die Frage nach der Vorbereitung auf den Trip. Franca M. bekennt insoweit aber planerische Defizite: „Ich habe einen Sprachkurs gemacht, der war jedoch nutzlos. Worte wie Blinken, Bremsen oder gar Halten kennen die ebensowenig wie Vorfahrt oder Rechts-vor-Links. Kommuniziert wird dort nur mit den äh mit der Hupe.“

In dem vom ADAC verliehenen Preis enthalten sind auch Therapiekosten wegen posttraumatischer Belastungsstörungen, ausgelöst durch Fußgänger und Busse: „Wenn man innerorts halbwegs vorschriftsmäßig fährt und plötzlich taucht ein Linienbus im Rückspiegel auf, das ist schon brutal“, räumt die Preisträgerin ein. „Da denkt man nicht mehr an Geschwindigkeitsbeschränkungen, da will man nur noch überleben, egal wie schnell. Und dann die Fußgänger! Ein Zebrastreifen ist in Italien eigentlich die Aufforderung, sein Auto maximal zu beschleunigen. Dennoch versuchen Menschen todesmutig die Straßen zu überqueren. Wo man hinschaut fliegen gerade ein paar Fußgänger durch die Luft. Ich bekomme diese Bilder einfach nicht mehr aus dem Kopf.“

Derzeit versucht sie, sich wieder an deutsche Verhältnisse zu gewöhnen. Aber das fällt noch schwer: „Gestern habe ich in der Roßstraße vor der Einfahrt zur Sparkassentiefgarage ein Motorrad überholt, das seinerseits gerade einen LKW überholte. Aus Richtung Kornmarkt kam mir so ein Idiot entgegen, der einfach in seiner Spur blieb, statt über Gegenfahrbahn und Bürgersteig auszuweichen. Ich verstehe nicht, wie man so stur sein kann. Der hätte doch allenfalls ein paar Stühle vom Körnchen wegrasiert. Statt dessen musste ich wegen dem bremsen.“

Für Nachahmer, die es ebenfalls versuchen wollen, hat Franca M. noch einen Tipp: „Man muss sich an die Einheimischen anpassen, was konkret bedeutet: Augen zu und Vollgas! Niemand weiß weshalb, aber nur so funktioniert es. Es ist ein rein instinktives Fahren. Wer auch nur anfängt nachzudenken, hat schon verloren.“

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